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Neuer Herdbuchzucht-Starter
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Lottchen
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Neuer Herdbuchzucht-Starter

Guten Abend ins Forum!
Wir halten seit einem Jahr eine kleine Herde Ouessants und was ursprünglich als "Mittel zum Zweck" gedacht war ist jetzt schon Leidenschaft geworden! Wir haben vor ein paar Jahren ein großes Grundstück gekauft (7000 qm waldlähnliches Grundstück plus 3000 qm reine Wiese), das aber praktisch ab April/ Mai während der Vegetationsperiode nicht betretbar war vor lauter "Wildwuchs" und die Schafe waren eigentlich nur als "Landschaftspfleger" gedacht. Nun sind wir völlig begeistert von den Tieren! Und nun? Was soll ich sagen..... wir mögen nicht mehr ohne Ouessants Rolleyes
Und da ich nicht gerne halbe Sachen mache (vor der Anschaffung der Tiere habe ich dieses Forum rauf und runter gelesen, mich anderweitig schlau gemacht, Schäfer besucht, recherchiert......), ist für mich die Konsequenz daraus, wenn wir jedes Jahr ein paar Lämmchen haben möchten, dass ich dies tue, um einen kleinen Beitrag zum Erhalt dieser tollen Rasse zu leisten und dementsprechend ich dies im Herdbuch machen möchte.
Dem sächsichen Schafzüchterverband bin ich schon beigetreten und demnächst (hoffentlich) kommt jemand, der meine Tiere beäugt.... Ganz so guter Dinge bin ich dabei aber nicht. Keines meiner 6 Tiere hat Papiere. Ein kastrierter Bock ist ohnehin nicht reinrassig (da ist Romanov mit drin), der "richtige" Bock kommt sowieso nicht ins Vorbuch, wenn ich mich da richtig belesen habe und eine meiner Auen sieht mir auch deutlich zu groß für "echtes" Ouessant aus. Diese Aue wird im Spätsommer/ Herbst, wenn ihr Lämmchen groß genug ist, zu Verwandten von uns ziehen, die gerade mit ein paar Ouessants gestartet sind und die diese wirklich nur für die Landschaftspfege halten möchten und Zucht ausschließen.
Bleiben meine beiden anderen Auen, die ich hoffe, ins Vorbuch zu bekommen. Die eine dürfte demnächst noch ein Lämmchen bekommen, die andere hat ein Auenlamm. Ob ich das ins Vorbuch bekomme, wenn mein Bock gut beurteilt wird vom Verband???
Ich habe vom SSZV gehört, dass auf der "Jagd und Angeln" Anfang Oktober auch Ouessantzüchter vertreten sind. Ist das so? Gucke ich mich am beste ndort nach einem Herdbuch-Bock um? Unser Bock hat einen ganz tollen ausgeglicheen Charakter, weshalb ich ihn ungern ersetzen möchte, er hat bei uns Bestandsschutz.... Also würde ich lieber einen Bock leihen.
Ich mag gerne eine bunte Herde, steht das der Herdbuchzucht im Wege? Wegen der Farbvererbung habe ich mich durchs Forum gelesen und es so verstanden, dass es in Ordnung wäre, braune, schwarze und weiße Auen zu haben und diese von einem schwarzen oder braunen Bock decken zu lassen, oder irre ich mich? Schadet es, wenn man nicht reinfarbig verpaart (den Schafen ja sicher nicht, Hauptsache, der Bock ist nett...aber wie "schön reinfarbig" müssen die Ouessants fürs Herdbuch sein?)?
Danke für eure Tipps und vielleicht hat ja jemand eine schwarze Herbuchaue abzugeben oder einen braunen oder schwarzen Bock für mich zum Leihen in der kommenden Saison Smile
Liebe Grüße,
Nina

Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.05.2018 22:56 von Lottchen.

22.05.2018 22:56
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Anton Hornbläser
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Beitrag: #2
RE: Neuer Herdbuchzucht-Starter

Mahlzeit,

Hier findest Du die akteullen Rassebeschreibungen aller Landschafrassen - auch die des Ouesssant.

In D wird deutlich genauer auf Flecken geschaut als in anderen Ländern. Hängt aber auch immer vom Bewerter ab und dessen Tagesform ab (Menschen irren gelegentlich).

Ich persönlich würde den ganzen Auffand mit Vorbuch etc. nur dann auf mich nehmen, wenn die Tiere direkt aus der Bretagne kämen.
Du must min. zehn Jahre rechnen bis Du einen Bestand hast, der ausschließlich aus vollwertigen Herbuchtieren besteht, wenn Du im Vorbuch anfängst - es könnten auch 20 werden.
An Deiner Stelle würde ich sofern Du eine emotionale Bindung zu bestimmten Tieren hast ein oder zwei davon behalten, diese nicht ins Vorbuch holen und nicht mehr belegen lassen für die Zucht im Herdbuch würde ich zwei drei Herdbuchauen anschaffen, einen guten Bock leihen und langsam aber sicher einen Bestand aufbauen.
Bunt ist schön - züchterisch aber schon deutlich aufwändiger - Ich habe schon alle Farben auf dem Hof gehabt, beschränke mich jetzt aber auf schwarz - mit bretonischen Vorbuchtieren ist mir der Aufwand groß genug - ich hätte auch gar nicht den Platz noch mehr Deckgruppen zu stellen.
In den letzen Jahren in denen ich noch braune Schafe hatte, habe ich ganz klar getrennt braun zu braun und schwarz zu schwarz.

Am 29.09. findet das diejährige IGOU-Treffen in Pölzig bei Gera statt - dort wird es reichlich Ouessants zu sehen geben.

Gruß der hOrnbläser

23.05.2018 23:38
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Lottchen
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Beitrag: #3
RE: Neuer Herdbuchzucht-Starter

Danke für die Antwort und den Link! Das IGOU-Treffen steht nun dick in unserem Kalender!
Deine Einschätzung mit 10 (bis 20!) Jahre bis ich einen Bestand aus vollwertigen Herdbuchtieren habe, erschrickt mich doch etwas. Ich hatte gedacht, nach ein paar Jahren sind meine Tiere drin.....wenn ich einfach von nun an meine Damen von Herdbuchböcken decken lasse. Meinen Bock, der keine Papiere hat, nicht zur Zucht zu verwenden, finde ich echt schade! Ich kennen eure Böcke zwar nicht, aber ich bin der Ansicht wir haben den liebsten Bock der Welt.....und da mir der Charakter der Tiere echt wichtig ist (und deren Ausgeglichenheit und Gutmütigkeit gerade bei Böcken), wäre das schade. Zumal er offenbar wie mein Mann nur Mädchen kann ;-)

Ich hatte das so verstanden: wenn mein Bock und zwei meiner Auen vom Verband für "gut" befunden werden, kommen zumindest die Auen und die Auenlämmer des Bockes ins Vorbuch oder die Töchter sogar ins Herdbuch (C??). Wenn ich dann ab jetzt einen Leihbock im Herbst/ Winter dazustelle, der volle Papiere hat/ gekört ist, rutschen die nächsten Nachkommen ins nächsthöhere Herdbuch (oder nur die Auenlämmer???), oder habe ich da etwas falsch verstanden? Nach 1 oder 2 Herdbuchauen werde ich mich umsehen, die hätten dann ja mit geliehenem Herdbuchbock sowieso "vollwertigen Herdbuchnachwuchs", aber was wäre mit den Lämmern der Vorbuchauen (gesetzt dem Fall, sie kommen ins Vorbuch)?

Das mit der emotionalen Bindung ist natürlich so eine Sache....ich habe drei Töchter......der jüngsten ist es noch egal, aber die beiden großen haben schon ihre Lieblingsschäfchen..... und jetzt mit den ersten "eigenen" Lämmern...... Die beiden Kastrate, die wir haben, sind ja sicher als Beisteller immer ganz gut zu haben, beispielsweise, wenn unser Bock (an dem hängt die große Tochter, der muss bleiben!) im Herbst/ Winter ohne seine Damen sein muss.

Wie groß sind eure Flächen, die ihr für die Ouessants nutzt? Für uns (inzwischen) Großstädter ist unser einer ha gefühlt riesig.... Ich kann noch schwer einschätzen, wie viel Weidefläche tatsächlich nötig ist. Wir haben unsere 7000 qm (wäldliche) Weide in 3 Teile geteilt, von denen aktuell aber nur etwa 2x 2000 qm quasi in Wechselbeweidung genutzt werden (der Zaun an der restlichen Fläche muss an manchen Stellen noch ausgebessert werden), eine weitere Fläche von 3000 qm reine Wiese steht zur Verfügung und ich muss mich noch mit der Naturschutzbehörde auseinandersetzen, wie und ob ich diese Fläche einzäunen darf (Außenbereich und Landschaftsschutzgebiet), die sind hier streng.... Bisher lassen wir die Tiere ihre Weide immer recht komplett "mähen", bevor wir sie auf das andere Stück lassen, damit nicht gerade das stehenbleibt und sich vermehrt, was sie nicht so gerne mögen. Das immer zur Verfügung stehende Heu rühren sie derzeit so gut wie gar nicht an (also scheint es ja zu reichen und dünn sind sie auch nicht, sofern man das in voller Wolle beurteilen kann). Aber ich habe das Gefühl, meine Schafe fressen wie die Scheunendrescher..... ob das daran liegt, dass meine nicht (alle) reinrassig sind? Ist da Einfluß einer Rasse mit drin, die einfach aus einem genügsamen Ouessant nicht mehr so genügsame Tiere macht? Macht "Fremdeinfluß" so sehr etwas aus (in meinem Fall Romanovschaf)? Was sagen die, die definitiv reinrassige Tiere haben? Tut mir leid, wenn das jetzt das Thema sprengt, aber indirekt hat es ja etwas mit Herdbuch und Reinrassigkeit zu tun....

Ich freue mich jetzt schon auf IGOU-Treffen! :-)

Viele Grüße,
Nina

24.05.2018 19:17
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Anton Hornbläser
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Beitrag: #4
RE: Neuer Herdbuchzucht-Starter

Mahlzeit,

Aufstiegsregel - vom Prinzip hast Du es erfasst. Meine 10 bis 20 Jahre ergeben sich wie folgt:
Junges Schaf kommt in Abteilung D lebt noch zehn Jahre Das letzte Lamm ist eine niedliche Aue, die muß bleiben kommt in die Abteilung C und lebt auch noch zehn Jahre.

Und bedenke die Herdbuchaufnahme war noch nicht - Wenn der Vater durchfällt kommen die Lämmer auch maximal in die Abteilung D.

Ich lebe recht dicht an der niederländischen Grenze, das was Du Dir züchterrisch in der nächsten Dekade erarbeiten möchtest, gibt es in meiner Nachbarschaft zu hunderten mit vollwertigen Papieren jetzt sofort - da würde ich immer den bequemen Weg gehen. Züchten ist nicht leicht, aber wenn man eine gute Ausgangsherde hat ist es einfacher.

In den meisten Verbänden werden Vorbuchböcke gar nicht gerne gesehen - kann ich verstehen es gibt genug körfähig in der Hauptabteiluung. In der Regel bedeutet das - Du kannst alle Bocklämmer aus Vorbuchauen essen, oder kastrieren.

Du must sehen wie Deine Schafe an Deinem Standort klar kommen - der Aufwuchs ist so verschieden aus der Ferne kann man da wenig sagen. Es gibt Züchter, die bei 30 Schafen pro ha mehrmals im Jahr mähen müssen und es gibt Standorte wo zehn pro ha zu viele sind.

Was Fremdeinfluß macht kann man nie vorher wissen, aber er verändert die Genetik schneller als es durch Selektion möglich ist. Ein Beispiel in den Niedelanden hat es in den 70er und 80er Jahren Kreuzungen zwischen Romanov sowie Finnschaf und Ouessant gegeben, neben der optisch erkennbaren Farbe sind Zwilllingsgeburten bei niederländischen Ouesssants des Farbschlags schimmel etwa doppelt so häufig wie bei allen anderen Farben. Diese Tiere entsprechen weder vom Geno-, noch vom Phänotyp dem was man in Frankreich im Sinn hatte, als man die Rasse vor dem Aussterben zu bewahren versuchte. Trotzdem sind die Tiere 1A Herdbuchtiere, mit denen und an denen man unglaublich viel Spaß und Freude haben kann.

Gruß der hOrnbläser

24.05.2018 22:34
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