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Anpaarungsplanung Inzuchtgrad
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Henri
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Beitrag: #1
Anpaarungsplanung Inzuchtgrad

Hallo,

eine Frage an die erfahrenen HB-Züchter.
Ich habe meine Anpaarungsplanung nun zum ersten Mal im Ovicap durchgeführt und bin erstaunt über die Möglichkeiten der Datenbank.
Bei zwei Paarungen habe ich 1 bzw. 2 gemeinsame "Urgroßeltern" im Pedigree.

Welchen Inzuchtgrad haltet ihr für tragbar?

Bin mal auf die Aussage "< 3 noch ok" getroffen. Das halte ich locker ein.
Freue mich auf Eure Meinung.

Viele Grüße
Henri

24.10.2019 21:01
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Anton Hornbläser
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Beitrag: #2
RE: Anpaarungsplanung Inzuchtgrad

Mahlzeit,

um die Frage zu klären muß man erst mal verstehen was der Inzuchtgrad ausdrückt.
Man spricht auch vom Inzuchtkoeffizient kurz IK. Der IK berechnet mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Nachkomme zweier Individuen von beiden Eltern dieselbe Erbinformation bekommt. Also ein Allel homozygot auftritt. Daraus folgert rein statistisch: ein Lebewesen mit dem IK 1,5625 hat an 1,5625% seiner Genorte homozygote Allele (in der Scrapieresistenzzucht wird das angestrebt: ARR/ARR)
Wenn man per Zufall zwei Menschen egal welcher Hautfarbe unter den ca. 8 Milliarden Erdenbewohnern auswählt haben diese rein statistisch zu ca. drei Prozent identische Gene der tatsächliche IK beträgt also schon drei. Da es vor ca. 40 Jahren nur 486 Individuen der Rasse Ouessantschaf gab, dürfte der tatsäsliche IK bei dieser Rasse ungleich höher sein.

Unabhängig davon gilt allerdings, daß man bei engen Verwandschaftsanpaarungen die Wahrscheinlichkeit von homozygoten Allelen weiter erhöht und somit auch zum Genverlust beiträgt. In der Erhaltungszucht versucht man deshalb möglichst viele kleine Deckgruppen mit möglichst niedrigen IKen zu realisieren um den Genverlust nicht zu beschleunigen. Nach Möglichkeit sollte der IK bei maximal 6,25 liegen, bei Ouessantschafen ist das problemlos zu ermöglichen, von daher kann man auch höhere Ansprüche stellen.

Wer nun versucht bei einem Fünf-Generationen-Pedigree keine identischen Vorfahren zu realisieren hat bestimmt viel Spaß mit der Ahnenforschung, aber durch den ohnehin deutlich höheren tatsächlichen IK wäre das eine Arbeit die wenig Sinn ergäbe.

Ich treffe meine Zuchtentscheidungen meist aus dem Bauch heraus. Soll heißen, ich mache mir über die Abstammung erstmal nicht zu viele Gedanken, sondern schaue ob die Elterntiere zusammen passen (kann ein bestimmter Bock eventuelle Schwächen des Schafes verbessern, oder würde er sie eventuell verstärken, da er die selben hat). Danach schaue ich das Pedigree des potenziellen Lammes an, kommen in drei Generationen keine identischen Vorfahren vor reicht mir das. Bei einem identischen Urgroßelternteil läge der IK bei 3,25, sofern das die einzigen gemeinsamen Vorfahren wären. In der Regel liegt der IK bei meinem Vorgehen nicht über 1,5625 auch wenn er theoretisch deutlich höher liegen könnte. (der Maximalwert wäre ca. 7,23 wenn in der vierten Generation nur ein männliches und ein weibliches Tier vorkämen).

Egal wie hoch der IK eines Individums ist, paare ich es mit einem nicht verwandten Partner an, ist der IK des Nachkommen immer 0.

Gruß der hOrnbläser

25.10.2019 08:25
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Anton Hornbläser
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Beitrag: #3
RE: Anpaarungsplanung Inzuchtgrad

P.S.: Die Anpaarungsplanung nutze ich eigentlich nur um den IK zu ermitteln da ich die Information in meinem Stallbuch festhalte, oder wenn mir ein Bock gefällt, den ich eventuell für meine Zucht erwerben möchte, was ja wenig sinnvoll ist, wenn der IK der potenziellen Nachkommen zu hoch ist.

25.10.2019 08:30
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Henri
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Beitrag: #4
RE: Anpaarungsplanung Inzuchtgrad

Hallo Anton,

vielen Dank für die Infos.

So habe ich es nun verstanden:
Die Ovicap-Datenbank betrachtet inklusive der Eltern des erwarteten Lamms max. 5 Generationen und berücksichtigt innerhalb dieser Menge die Anzahl an Generationen bis ein gemeinsamer Vorfahr auftritt.

Ich hatte meine "Urgroßeltern" von der Elternpaarung ausgehend gezählt. Ausgehend vom Lamm wären es die "Ur-Urgroßeltern" bzw. die 4. Generation im Pedigree (wenn Lamm = Generation 0).

Mein höchster IK ist 1,56, also o.k.

Somit mache ich keinen Fehler wenn ich bis zur 4. Generation keine gemeinsamen Vorfahren finde.

Paarungen mit gemeinsamen Vorfahren in 3. Generation wären ok, wenn ich mir davon die Weitergabe guter Eigenschaften erhoffe.

Aber alles nur mit der Unschärfe aufgrund der Anzahl von max. 5 Generationen die in der Berechnung berücksichtigt werden.

Danke und Gruß
Henri

25.10.2019 21:02
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Anton Hornbläser
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Beitrag: #5
RE: Anpaarungsplanung Inzuchtgrad

Mahlzeit,

man könnte noch weitere Generationen einbeziehen, nur ist das sinnvoll? Neben dem erheblich höheren Rechenaufwand bekäme man nicht wirklich genauere Ergebnisse. Die Mathematik kann hier ja nur den theoretischen Wert wiedergeben, wie der tatsächliche IK aussieht wäre ja nur über eine Analyse des vollständigen Genoms möglich. Wenn beim Menschen der tatsächliche IK schon 3 ist wieso sollte ich dann beim Ouessant noch die sechste Generation einbeziehen? Wäre der Vater gleichzeitig einmal der Alturgroßvater (sechste Generation) läge der IK bei 0,78. Eine solche Konstellation ist bei Schafen möglich kommt aber sehr selten vor deswegen kann man das vernachlässigen.

Gruß der hOrnbläser

26.10.2019 09:03
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Anton Hornbläser
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Beitrag: #6
RE: Anpaarungsplanung Inzuchtgrad

.... zur Übersicht:

Generation____Bezeichnung__________genealogische______IK_durch_ein_doppeltes
_____________________________________Bennenung________Individuum_der_Generation
0______________Proband_____________________________________
1______________Eltern________________________________________
2______________Großeltern__________________________________12,5
3______________Urgroßeltern________________________________3,125
4______________Ururgroßeltern______Alteltern_______________ca._0,78
5______________Urururgroßeltern____Altgroßeltern___________ca._0,2_
6______________4xUrgroßeltern______Alturgroßeltern_________ca._0.05

Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 26.10.2019 09:18 von Anton Hornbläser.

26.10.2019 09:16
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